Wie funktioniert Motivation?


Über Motivation ist ja viel geschrieben worden und es gibt auch jede Menge Theorien darüber. Für mich gibt es aber nur einen (sehr einfachen) Schlüssel, der die Basis bildet für jegliche Art von Motivation.

Zur Veranschaulichung möchte ich ein Beispiel aus dem Alltag hernehmen, das viele kennen werden: Klavierunterricht. Vielleicht ist es in deinem konkreten Fall die Blockflöte gewesen oder das Cello, aber der Mechanismus ist der gleiche. Er gilt übrigens auch für Tennis, Babysitten, Protokoll schreiben und Auto putzen.


Das junge Mädchen sitzt also in seiner Klavierstunde und hatte wieder nicht richtig geübt. Der Gesichtsausdruck seines Klavierlehrers spricht Bände. Aus dem Mädl wird nix. Ausserdem die Fingernägel wieder nicht kurz geschnitten. Was soll eigentlich die Farbe drauf? Man bringt die Stunde irgendwie herum und verabschiedet sich, bis nächste Woche.

Ich erinnere mich genau an das Gefühl, das ich fortan mit dem Klavier assoziierte. Das Üben wurde immer mehr zur Qual. Was natürlich dazu führte, dass ich immer weniger übte und der Lehrer immer weniger an mich glaubte.

Klappe die zweite. Nehmen wir an, der Klavierlehrer hat sich beim Wandern den Arm gebrochen und kann für ein paar Wochen nicht unterrichten. Es kommt eine Ersatz-Lehrerin. Sie fragt mich als erstes, was ich schon kann. Ich spiele zögernd ein Stück, das ich halbwegs hinbekomme. Sie sagt „sehr gut!“. Das lässt mich aufhorchen. Dann sagt sie mir, dass meine Hände perfekt sind für Klavierspielen. Sie fragt mich, was ich gerne als nächstes spielen möchte. Ich weiss nicht so recht, suche einfach irgendein Stück aus. Sie spielt es mir vor. Dann sagt sie, das sei eine gute Wahl. Ich schwebe aus dem Raum.


Jeden Tag übe ich wie besessen das Stück. Ich freue mich auf die nächste Klavierstunde, ich will die Lehrerin nicht enttäuschen und ich bin stolz auf meine Hände, die perfekt sind für Klavierspielen.

Und natürlich mache ich riesige Fortschritte und natürlich motiviert mich das umso mehr und ... willkommen in der Aufwärtsspirale!


Nehmen wir noch einmal an, die beiden Lehrer treffen sich nach einigen Wochen zu einer Besprechung. Die Lehrerin berichtet, ich sei sehr begabt und hoch motiviert. Der Lehrer meint, sie verwechselt den Namen. Wer hat eigentlich Recht? Bin ich nun motiviert und begabt oder nicht?


Natürlich spielt intrinsische Motivation eine Rolle. Das heisst, dass die Motivation aus mir selber herauskommen sollte. Aber das Beispiel mit dem Klavierspielen macht deutlich, dass jegliche intrinsische Motivation wie ein kleines Pflänzchen genährt und gepflegt oder eben kaputt gemacht werden kann.


Was heisst das jetzt für den Alltag?

Mitarbeitende, Team- oder Familienmitglieder, selbst Vorgesetzte wollen motiviert werden für die verschiedensten Themen. Wir sind aber so konditioniert, dass wir überall die Fehler und die Flecken sehen anstatt der lobenswerten Dinge. Wir nennen es Feedback und versuchen, die Leute um uns herum zu optimieren. Dabei geht der Schuss meist nach hinten los.

Meine Empfehlung: Wenn Negatives wirklich erwähnt werden muss, dann bitte in der Mischung 1:9, also auf eine Kritik kommt mindestens 9 Mal Lob.

Jetzt denkst du vielleicht an eine konkrete Person X, die ganz und gar unbrauchbar ist. Ja, es ist schwierig, den Fokus auf die lobenswerten Dinge zu legen. Besonders, wenn wir das nicht so trainiert haben. Was hilft: Versetz dich einmal in einen Freund der Person X. Was findet dieser an ihr Gutes?

Oder denk an meine Klavier-Lehrerin. „Sehr gut!“ sagte sie zu meinem Versuch. Perfekte Hände für das Klavierspielen, was auch immer das heisst. Eine „gute Wahl“ für meine Hausaufgabe. Es sind Kleinigkeiten, aber positive, wertschätzende Rückmeldungen machen genau den Unterschied, der Motivation wachsen lässt.


#Motivation #Erfolg #Mitarbeiterführung #Leadership #Kommunikation #Coaching #Entwicklung

Sandra aus Pfungen, Sozialarbeiterin FH

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