Was ich beim Aikido für's Leben lerne


Als ich vor 2 Jahren aus einer Laune heraus "Selbstverteidigungskurs Winterthur" in das Google-Suchfeld tippte, konnte ich noch nicht ahnen, welche neuen Horizonte sich mir auftun würden.

Aikido erschien da. Und ich fand die Idee, mit einem Schwert zu kämpfen, ehrlich gesagt sehr sexy. Nicht so die weissen Kimonos, die können mit keinen Yoga-pants mithalten. Aber auch das gehört dazu.


Nach diesen ersten, wahrlich sehr harten Monaten ziehe ich nun Bilanz. Aikido hat mich mehr verändert, als es jeder einschlägige Verteidigungskurs je hätte können.



Die wichtigste Rolle spielt dabei mein Lehrer Dani. Mit seinem kahlen Kopf und der runden Brille sieht er ein bisschen aus wie Gandhi. Es ist unglaublich, mit wie wenig Anstrengung und Kraft dieser zierliche Mann jeden Riesen aus den Angeln hebt. Wenn er steht, dann steht er. Als wäre er in den Boden geschraubt. Und im nächsten Moment weicht er aus, leicht wie eine Feder, und wickelt den Angreifer um seine eigene Achse - Schach Matt.

Seine Philosophie ist so gänzlich nicht von dieser Welt - jedenfalls nicht aus diesem Teil der Welt. Anstatt ein paar hochbegabte Helden auszubilden, nimmt er sich allen gleichermassen an. Ob jung, alt, dick, dünn, linkisch oder verkrampft - sein Wunsch ist es, dass jede einzelne Person aus dem Aikido Training etwas mitnimmt und die eigene Situation verbessern kann. Ganz egal, wo wir stehen.

Deswegen trainieren wir auch immer alle zusammen: Blutige Anfänger mit hartgesottenen Schwarzröcken, die bereits seit über 20 Jahren dabei sind. Es tut gut, diese Atmosphäre der gegenseitigen Akzeptanz.


Aikido ist nicht nur eine Kampfkunst, es ist auch eine Lebensphilosophie. Und als solche beinhaltet sie weitere Elemente, die man vielleicht bei einem Selbstverteidigungskurs nicht erwarten würde: Atem- und Konzentrationsübungen, die helfen, den ganzen Körper zu aktivieren und die Wahrnehmung zu schärfen. Nach innen und aussen.

Aber das Beste finde ich die Schrei-Übungen, die immer im Anschluss an die rituellen Atemübungen kommen. In dieser Stille erschallen plötzlich 15 Stimmen aus den tiefsten Eingeweiden heraus: Ni-ho, Ni-ho, Ni-ho,... ein Urschrei, in dem eine unglaubliche Kraft und Energie liegt.


Es ist auch immer wieder faszinierend, wie sich die Männer ohne weiteres auf dieses archaische Brüllen einlassen können. Und wie schüchtern und piepsig die Frauen mitmachen. Wenn wir an einem Dienstag grösstenteils Frauen sind, fällt das besonders auf. Woher kommt das? Welche Hemmungen und Blockaden halten uns davon ab, so richtig aus den Untiefen unseres Seins heraus zu Schreien? Wenn nicht hier, wo dann?

Mich hat es zwar auch etwas Überwindung gekostet, aber jetzt schreie ich mit den Männern im Chor. Der Effekt ist verblüffend: Der Schrei löst die Blockaden, nicht umgekehrt. Auch die Stimme ist Teil von mir, das ist meine Erkenntnis. Ich habe eine Stimme! Und zwar eine sehr kräftige. Und ich fühle mich selten so lebendig wie in diesem Schrei.


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